Igo Etrich wurde von Prof. Ahlborn auf die Gleiteigenschaften des javanischen Schlinggewächs aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) Zanonia (Zanonia macrocarpa, heute Alsomitra marcocarpa) aufmerksam gemacht. Im windstillen tropischen Regenwald hat die Evolution diesen Ferngleiter für eine möglichst weitreichende Verbreitung der Samen entwickelt - in einem über Jahrmillionen gehenden Optimierungsprozess. Das ca. 12cm große Flugobjekt, das sich bei trokenen Wetter aus den unten offenen Früchten (Kalebassen in Form einer Kuhglocke) löst, wiegt ca. 200mg - wovon die Nutzlast - also der transportierte Pflanzensamen selbst, 170mg ausmacht - nur 30mg entfallen auf die Flügel.
Etrich baute daraufhin mit Wels ein Modell mit 6m Spannweite, um die Gleiteigenschaften des Flugkörpers zu erproben. Dies gelang vorzüglich, der Gleiter nahm beim Start sofort einen flachen Gleitflug an, den er in einer stabilen Flugbahn folgte. Größere Gleiter folgten in rascher Folge, bis endlich Wels einen manntragenden Flug antrat, und zwar stehend in einem Gleiter mit 14m Spannweite. Mehrere bemannte Flüge folgten, wobei eine Belastung des Flugzeugs bis zu 100kg möglich war. Die Steuerung erfolgte durch Gewichtverlagerung.
Etrich wollte nun den Gleiter mit Antrieb versehen, doch dies funktionierte nicht so richtig. Schließlich entwarf Etrich einen neuen Flugapparat, den ihm sein Werkmeister Illner in drei Monate baute, eben die berühmte Taube.
Dies ließ Ott und Linner nicht zu Ruhe kommen, denn die Zanonia mußte fliegen, das sah man dem Flugkörper an. Auf Anregung des Biologen Prof. Dr. Bernd Lötsch, GenDir. des NHM, wurde eine Zanonia in halber Größe gebaut und mit einem 6 PS-Motor angetrieben. Das Ergebnis der Arbeit ist ein hervorragend fliegender Zanonia-Motorsegler, welcher nun zum Prototyp eines solarbetriebenen Stratophären-Gleiter weiterentwickelt werden soll. Voraussetzung dafür wäre eine Photovoltaik Beschichtung der Tragflächen und (bürstenlose) Hochleistungs E-Motore, wie sie die NASA für ihren Pathfinder verwendet. Der internationale Wettlauf um fergesteuerte solar betriebene Hochatmosphärenflieger hat voll eingesetzt. In ca. 15km Höhe auf dünner Luft (0,01 atm) segelnd, könnten sie die meisten Aufgaben von Erdbeobachtungs- und Fernmeldesatelliten übernehmen - zu einem Bruchteil deren Kosten, da ohne kostenaufwendige Raketentransporte.
Der motorisierte Gleiter hängt nun in der Kuppelhalle des NHM und zeigt den Genius des Dr. h.c. Igo Etrichs.
Pläne der Zanonia sind im Historischen Flugzeugbau Austria erhältlich.

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